Grenzen setzen im Beruf: Warum klare Kommunikation allein nicht reicht
Grenzen setzen im Beruf klingt eigentlich ganz einfach.
„Das möchte ich nicht.“
„So möchte ich nicht behandelt werden.“
„Das schaffe ich heute nicht mehr.“
„Ich brauche jetzt eine Entscheidung.“
Solche Sätze können wir vielleicht sogar klar aussprechen.
Und trotzdem merken wir manchmal: Es ändert sich nichts.
Ein Thema, dem ich in der 1:1-Begleitung mit meinen Klient immer wieder begegne.
Denn eine Grenze zu kommunizieren ist noch nicht dasselbe, wie eine Grenze zu setzen.
Grenzen kommunizieren und trotzdem werden sie überschritten
Wir können zehnmal sagen, dass wir abends nicht mehr erreichbar sein möchten und trotzdem jedes Mal ans Telefon gehen.
Wir können sagen, dass wir eine bestimmte Art der Kommunikation nicht akzeptieren und das Gespräch trotzdem genauso weiterführen.
Wir können deutlich machen, dass unsere Kapazitäten erschöpft sind und den nächsten Auftrag trotzdem noch übernehmen.
Die Grenze wurde ausgesprochen. Und trotzdem verändert sich nichts.
Warum?
Weil Grenzen auch negative Konsequenzen haben können.
Jemand könnte enttäuscht sein. Uns egoistisch finden. Sauer werden. Uns weniger mögen. Oder unsere Entscheidung schlicht nicht akzeptieren.
Gerade im beruflichen Kontext kann das unangenehm sein. Schließlich arbeiten wir weiterhin miteinander, sind aufeinander angewiesen oder befinden uns in Hierarchien.
Grenzen setzen bedeutet auch, selbst zu handeln
Deshalb ist Grenzen setzen für mich mehr als gute Kommunikation.
Es bedeutet, die eigene Aussage auch durch das eigene Handeln ernst zu nehmen.
Nicht als Drohung.
Nicht als Bestrafung des anderen.
Sondern als Entscheidung darüber, was ich tue, wenn meine Grenze erreicht oder überschritten wird.
Wenn ich sage, dass ich nach Feierabend nicht erreichbar bin, kann das bedeuten, nicht ans Telefon zu gehen.
Wenn ich merke, dass ein Gespräch gerade eine Grenze überschreitet, kann es bedeuten, das Gespräch zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzuführen.
Wenn meine Kapazitäten ausgeschöpft sind, kann es bedeuten, einen weiteren Auftrag tatsächlich nicht anzunehmen – auch wenn mein Gegenüber darüber nicht begeistert ist.
Und genau dieser Teil kann ziemlich unangenehm sein.
Warum Grenzen setzen etwas mit Selbstwirksamkeit zu tun hat
Gleichzeitig passiert dabei etwas Wichtiges:
Ich erlebe, dass ich Einfluss darauf habe, wie ich mit einer Situation umgehe.
Ich bin nicht ausschließlich darauf angewiesen, dass mein Gegenüber meine Grenze gut findet, versteht oder freiwillig respektiert.
Ich kann selbst handeln.
Und genau darin steckt für mich ein wichtiger Teil von Selbstwirksamkeit im Beruf.
Denn ich kann nicht vollständig kontrollieren, wie andere Menschen reagieren. Ich kann aber entscheiden, wie ich selbst mit einer Situation umgehe.
Welche Grenze möchtest Du wirklich setzen?
Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage nicht nur:
„Habe ich meine Grenze klar kommuniziert?“
Sondern auch:
„Was tue ich, wenn sie trotzdem überschritten wird?“
Diese Frage ist häufig schwieriger zu beantworten. Denn dann geht es nicht mehr nur darum, die richtigen Worte zu finden. Es geht darum, eine eigene Entscheidung zu treffen und diese auch dann ernst zu nehmen, wenn das Gegenüber anders reagiert, als wir es uns wünschen.
Genau hier kann es hilfreich sein, genauer hinzuschauen: Was hält mich davon ab, meine Grenze tatsächlich zu setzen? Welche Konsequenz befürchte ich? Was brauche ich, um in der Situation handlungsfähig zu bleiben?
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Ich bin Sabine Bischoff – Ingenieurin und Sparringspartnerin für Fach- und Führungskräfte.
Ich begleite Menschen, wenn sich im Job etwas verändern soll, Entscheidungen anstehen oder die Zusammenarbeit schwierig wird. Dabei geht es mir vor allem darum, Klarheit zu schaffen und wieder handlungsfähig zu werden.